Portrait von Josef Scheiring

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Ein Portrait von Josef Scheiring, vulgo „Hirsch´n Pepi“ langjähriger Feuerwehrkommandant in Zirl, Bezirksfeuerwehrkommandant Innsbruck- Land, Wirt und Bauer vom Gasthof „zum Hirschen“ und Feuerwehrlegende.

Josef Scheiring 18.01.1906 – 19.05.1979

Josef Scheiring, bekannt unter seinem Vulgo Namen „Hirsch´n Pepi“ wurde am 18. Jänner 1906, in Zirl geboren. Seine Eltern betrieben den Gasthof „zum Hirschen“ in der Bahnhofstraße und die dazugehörige Landwirtschaft.

Zur damaligen Zeit war es für Hausbesitzer, Gewerbetreibende und Bauern üblich, „bei der Feuerwehr zu sein“. Der Mitgliedsbeitrag für aktive freiwillige Feuerwehrmänner betrug im Jahr 1930, 50 Groschen pro Jahr, unterstützende Mitglieder mussten 1,00 Schilling Beitrag bezahlen.

Pepi trat, laut Mitgliederverzeichnis, bei der Jahreshauptversammlung, am 24. Jänner 1930, im Alter von 24 Jahren in die Feuerwehr Zirl ein und wurde sofort der Motorspritzengruppe zugeteilt. Vermutlich war sein technisches Verständnis ausschlaggebend dafür, dass er schon zu Beginn seiner Feuerwehrlaufbahn zum schlagkräftigsten Gerät der Feuerwehr Zirl, der Rosenbauer Motorspritze, Baujahr 1929 zugeteilt wurde.

Zuerst zugeteilt zur Motorspritzen- Gruppe, Rosenbauer Baujahr 1929

Bald darauf, am 7.12.1935, bei der Ausschusssitzung im Gasthof zur Post, wurde Pepi als Nachfolger von Josef Haberl zum Zeugwart bestellt und damit auch Mitglied im Feuerwehrausschuss.

Ab 1935 finden sich immer wieder Einträge im Protokollbuch, aus denen hervorgeht, dass Pepi ein aktiver und, heute würde man sagen, ein sehr innovativer Feuerwehrmann war. Daher verwundert es auch nicht, dass er schon am 21.03.1937 anlässlich der Jahreshauptversammlung im Gasthof Schlosshäusl zum Kommandant- Stellvertreter der Feuerwehr Zirl gewählt wurde. Er folgte damit Jakob Kuen nach, der als Bürgermeister von Zirl auch viele Jahre als Kommandant- Stellvertreter gedient hat.

Dachstuhlbrand bei Alois Liebl, 22. März 1937, der erste Tag als Kommandant- Stellvertreter

Als „Junger“ kamen von Pepi viele Vorschläge und Ideen zur Verbesserung des Zirler Feuerwehrwesens. Im Jahr 1937 besuchte er den Kommandantenlehrgang und eigentlich war vorgesehen, dass er Nachfolger, von Kommandant Vinzenz Niederkircher, dem „Post- Wirt“ werden sollte. Doch mit dem „Anschluss Österreichs“ am 12. März 1938 änderte sich, neben vielem andern, auch die Organisation des Feuerwehrwesens gravierend. Im Herbst 1939 traten die neuen deutschen Gesetze und Bestimmungen für das Feuerlöschwesen in Kraft. Ihr Ziel war es, die Feuerwehr kriegstauglich zu machen. Dazu gehörte unter anderem die Umstellung der Schlauchkupplungen von EK- auf Storz, die Einführung der Löschgruppe 1:8 und vieles mehr.

Mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges 1939 wurde auch die Feuerwehr Zirl „aufgerüstet“. Bereits 1938/39 wurde das erste Feuerwehrauto, ein Gräf und Stift „Rüstwagen“, angeschafft. Mit diesem Fahrzeug musste die Feuerwehr Zirl, nach dem Ausbruch des 2. Weltkrieges 1939 eine Gruppe für die „Feuerlöschbereitschaft 2B Oberland“ für den überörtlichen Luftschutz bereitstellen.

Bombentreffer im „Hochhaus“ Innsbruck, Feuerwehr Zirl im Einsatz am 16.12.1944

Der Hirsch´n Pepi, soviel geben die Protokollbücher her, war ein sehr verlässlicher und zielstrebiger Feuerwehrmann. Wie die meisten Männer dieser Zeit wurde er schon bald zur deutschen Wehrmacht eingezogen. Damit standen Pepi und seine Altersgenossen bis zum Ende des Krieges nicht mehr für die Feuerwehr zur Verfügung. Die schweren und gefährlichen Einsätze nach den Bombenangriffen auf Innsbruck mussten nun die nicht kriegstauglichen und alten Feuerwehrmänner alleine bewältigen.

Aus heutiger Sicht erscheint es sonderbar wie schnell und vor allem nahtlos der Übergang von der Kriegszeit in den Alltag der Nachkriegszeit erfolgt ist.  Am 03. Februar 1946 fand die erste Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Zirl nach dem Krieg im Gasthof Hirschen statt. Im Protokoll der Versammlung ist unter „Punkt II der Tagesordnung“ unter anderem vermerkt:

(Zitat) „Scheiring ging zum Punkt II der Tagesordnung über und sprach mit kurzer aber herzlicher Rede allen Kameraden, besonders der Einsatzgruppe, für die mühevollen Leistungen während der schweren Kriegszeit den innigsten Dank aus“

Josef Schering gehörte zu jenen „Heimkehrern“ die den Krieg unverletzt überlebt haben und stellte als Wirt, Bauer, Fuhrunternehmer und Feuerwehrkommandant- Stellvertreter sofort wieder seinen Mann. Heute wissen wir, dass die Erlebnisse des Krieges, gleich ob als Opfer oder Täter, sehr oft tiefe Spuren in der Seele der Menschen hinterlassen haben. Manche Eigenheit, der eine oder andere Spleen, aber auch viele Überzeugungen und Werte dieser Zeit haben die Betroffen den Rest ihres Lebens geprägt.

Viele Feuerwehrkameraden sind im Krieg oder an den Kriegsfolgen gestorben oder nach ihrer Heimkehr nicht mehr in die Feuerwehr Zirl zurückgekehrt. Bei der ersten Jahreshauptversammlung 1946 waren gerade einmal 27 Mitglieder anwesend.

Hirsch´n Pepi bewies sich in dieser unsicheren Zeit als guter Organisator und starker Motor, der den Wiederaufbau der geschwächten Feuerwehr

vorantrieb. Zum Beispiel wurde das von Franz Pittl aus dem Krieg mitgebrachte Sanitätsauto zuerst versteckt, um es vor dem Zugriff der Besatzungsmächte zu bewahren. Bald darauf wurde das Auto „feuerwehrgrün“ gestrichen und mit einfachen Mitteln zum Feuerwehrauto umgebaut.

Feuerwehrauto 1946, umgebauter Wehrmachts- SANKA, Opel Blitz genannt „Piccolo“

 

Anerkennungsschreiben Brandeinsatz 1947

Vinzenz Niederkircher, der die Feuerwehr umsichtig durch den Krieg geführt hatte, legte bei der Jahreshauptversammlung am 20. Februar 1949 im Gasthaus Hirschen sein Amt zurück. Bei dieser Versammlung wurde Pepi mit 32 von 34 Stimmen zum neuen Kommandanten der Feuerwehr Zirl gewählt.

Kommandant Vinzenz Niederkircher, Vorgänger von Hirsch´n Pepi

Der neue Kommandant hat es geschickt verstanden, die Mannschaft zu führen, neue Mitglieder zu gewinnen und trotz der Not in der Nachkriegszeit die Ausrüstung zu verbessern.

Das Gasthaus Hirschen von Pepi Scheiring war weit über die Gemeindegrenzen hinaus zu einem Feuerwehr- Treffpunkt geworden. Viele Sitzungen, Versammlungen und die Verpflegung nach Einsätzen und Übungen fanden dort statt. Dass dabei die Geselligkeit selten zu kurz kam ist aus vielen Erzählungen überliefert.

Foto, hing früher über dem „Hirschenstammtisch“ v.L.n.r. Hirsch´n Pepi, Anton Mader und Baltasar Suitner (Hauser) im Mannschaftsraum des „Piccolo“ 1953

 

Auch im Bezirksfeuerwehrverband- Innsbruck- Land, wurde man schon früh auf den jungen Kommandanten aus Zirl aufmerksam. Josef Scheiring wurde schon 1953, beim Bezirksfeuerwehrtag in Wattens, zum Bezirk- Kommandant- Stellvertreter gewählt. Er war damit auch der erste Bezirksfunktionär der Feuerwehr Zirl.

In der Festschrift zum 100- Jahr- Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr Zirl wurde ausführlich über die Aufbauleistungen in der Kommandanten- Periode von Hirsch´n Pepi, die bis zum Jahr 1973 reichte berichtet.

 

 

Dort ist angeführt, dass er eine „Holzaktion“ startete, um damit die Feuerwehkassa zu füllen. Mit diesen Einnahmen und einem Zuschuss der Gemeinde wurde im Jahr 1953 ein gebrauchter Wehrmachts- LKW angekauft und von der Firma Leitner in Telfs zum Löschfahrzeug umgebaut. Im gleichen Jahr konnte auch ein zusätzliches Gerätehaus beim damaligen Altersheim in der Bahnhofstrasse bezogen werden.

Wehmachts LKW Opel Blitz umgebaut zum LF von der Firma Leitner in Telfs, genannt „die Hallerin“

 

Für seine besonderen Leistungen wurde Pepi bereits 1958 zum Ehrenmitglied der Feuerwehr Zirl ernannt.

Urkunde „Ehrenmittglied“ 1958

Beim Bezirksfeuerwehrtag 1961 wurde Scheiring als Nachfolger von Josef Minatti zum 9. Kommandanten des Bezirkes Innsbruck- Land gewählt.

Die Anschaffung der Feuerwehrfahne, 1962 zeigt, dass sich die Feuerwehr nach dem Krieg langsam erholt hatte.

Fahnenweihe beim Musik- Pavillon 1962

 

Mit der Indienststellung des ersten Tanklöschfahrzeuges der Zirler Feuerwehr im Jahr 1963 nahm der technische und taktische Fortschritt Fahrt auf. Waren für den Bau des „Eigenbau“ TLF 2500, noch über 600 Arbeitsstunden einer Gruppe junger Feuerwehrmänner notwendig, konnte schon 4 Jahre später ein zweites gebrauchtes Tanklöschfahrzug angekauft werden. Damit konnte die Feuerwehr Zirl weit über die Gemeindegrenzen hinaus helfen und war als schlagkräftige Einheit im ganzen Bezirk geschätzt.

Ehrenurkunde TLF 2500 genannt „der Eigenbau“

Der immer größeren Platznot in den beiden Feuerwehrhäusern wurde 1968 mit dem Bau des neuen Feuerwehrhauses in der Florian- Straße begegnet.  Bereits 1969 wurde das Haus bezogen und dem Einzug 1969 und der Erweiterung 1995 bis heute die Heimat unserer Feuerwehr.

Einweihung Feuerwehrhaus 1970

 

In den letzten Jahren seiner Feuerwehrfunktion plagten Pepi immer wieder gesundheitliche Probleme. Gerade in dieser Zeit bewies er aber Weitsicht und Klugheit, indem er die von ihm als „die Jungen“ genannte Feuerwehr Kameraden nach Kräften förderte und unterstützte.

Im Jahr 1973 legte Schering Josef nach 25 Jahren seine Feuerwehrfunktionen zurück. Davor konnte er aber noch das erste Rüstfahrzeug des Bezirks Innsbruck- Land in Zirl stationieren und das erste „fabrikneue“ Feuerwehrauto, ein „Schweres Löschfahrzeug“, der Firma Ziegler beschaffen.

„Pumpe Zirl“ 1971

Für seine Verdienste wurde Pepi vielfach geehrt, seine wichtigsten Auszeichnungen waren:

  • Verdienstmedaille, 25 Jahre, 40 Jahre, 50 Jahre
  • FLA Silber
  • Ehrenmitglied Feuerwehr Zirl, 24.02.1958
  • Ehrenmitglied Feuerwehr Wattens 1966
  • Ehrenmitglied Feuerwehr St. Sigmund 1963
  • Ehrenmitglied vom Bezirksfeuerwehrverband Innsbruck Land
  • Ehrenbürger Marktgemeinde Zirl, 21.01.1975
  • Verdienstmedaille vom Land Tirol 1970
  • Verdienstzeichen Land Tirol, 15.08.1972

 

Verleihung Verdienstzeichen, Land Tirol, am 15.08.1972 durch LH Eduard Wallnöfer

Josef Scheiring verstarb am, 19. Mai 1979 In Zirl. Seine Beerdigung gestaltete sich zu einem rabenschwarzen Tag für die Zirler Feuerwehr. Während der Beerdigung brannte im „Brunntal“ eine Hütte. In der Befürchtung, dass es sich um seine Hütte handelte die brannte, eilte der Reservist David Schneider zum Brandort. Die Aufregung war zu viel für den Kameraden, er erlitt auf der Rückfahrt einen tödlichen Herzanfall. Nach dem Begräbnis schöpften die eingeteilten Sargträger der Feuerwehr das Grab von Pepi zu. Dabei brach LM Josef Plattner zusammen und verstarb noch am Grab seines Freundes und Feuerwehrkameraden ebenfalls an einem Herzinfarkt.

Begräbnis Josef Scheiring, 19. Mai 1979

Heute ist es so, dass nur noch Wenige persönlich über die Zeit und den Menschen Josef Schering erzählen können. Das Portrait im neuen ZeitFensterFeuerwehrZirl möchte dazu beitragen, dass die Leistung von Pepi und die Umstände seiner Feuerwehrzeit nicht in Vergessenheit geraten, sondern als Teil der Zirler Feuerwehrgeschichte erhalten bleiben.

  Zirl, im März 2022, HBI Robert Kaufmann