19.12.2020 Die Feuerwehr und Corona

Nicht nur im privaten Umfeld, sondern auch im Feuerwehrleben ist das Thema „Corona“ omnipräsent und so wollen wir unseren LeserInnen einen kleinen Einblick bieten, was das für uns heißt. 

Seit Beginn der Pandemie erreichten uns aufgrund der allgemeinen Lageänderungen auch laufend geänderte Feuerwehr-Dienstanweisungen. Das oberste Ziel dieser Dienstanweisungen, welche vom Landesfeuerwehr- sowie vom Bundesfeuerwehrverband erarbeitet wurden, ist es, die möglichst maximale Einsatztauglichkeit der Feuerwehr zu erhalten und den Worst Case – die Quarantäne der gesamten Feuerwehr – zu vermeiden. 

Während dieser Zeit waren Übungs- und Ausbildungstätigkeiten nur in kleinen Gruppen möglich und erlaubt. Um eine Durchmischung der Zirler Feuerwehrfrauen und Männer so gering wie möglich zu halten, übte man in Zugsstärke (ca. halbe Mannschaft) abwechselnd jeden Montag und zusätzlich in Kleingruppen zu verschiedenen Zeiten. Während dem Aufenthalt im Gerätehaus, auf der Anfahrt zur Übung, während der Übung und bei der Rückfahrt ins Gerätehaus musste zudem immer ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Der kameradschaftliche Teil im Anschluss ist nicht mehr erlaubt. 

Dies gilt auch im Einsatzfall. Speziell hinzukommt, dass bei Patientenkontakt – zum Beispiel bei einem Verkehrsunfall oder bei der Unterstützung des Rettungsdienstes – im unmittelbaren Umfeld zum Patienten FFP2 Maske zu tragen sind. 

Tätigkeiten zur Einsatznachbereitung und Instandsetzung der Gerätschaften sind mit möglichst geringem Personaleinsatz und wiederum mit einem Mund-Nasen-Schutz durchzuführen. Dasselbe gilt für Wartungstätigkeiten, wie sie zum Beispiel bei den Atemschutzgeräten durchgeführt werden müssen. 

Seit Beginn des leichten Lockdowns Anfang November sind auch unsere Maßnahmen wieder verschärft worden. Grob gesagt wird nur noch der Einsatz mittels Vorort-Präsenz abgearbeitet, alles andere wird nur noch Online durchgeführt, wie Sitzungen. Aber auch Aus- und Weiterbildungen werden zum Teil von der Landesfeuerwehrschule aber auch von Fachfirmen im Onlineformat angeboten. 

Unaufschiebbare Wartungstätigkeiten sind erlaubt, sofern dabei der Personalstand so gering wie möglich gehalten wird und die Wartung bzw. Prüfung zeitlich nicht aufgeschoben werden kann. 

Natürlich begleiten uns, neben dem Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auch die Vorgaben, wie Abstandhalten (im Einsatzfall nicht immer möglich) sowie die dementsprechende Hygiene. So wird nach jeder Verwendung der Mannschaftsraum des Feuerwehrfahrzeuges mit einer Wischdesinfektion nachbehandelt. Eine Desinfektion von Rettungsgeräten, welche Patientenkontakt hatten, ist ohnehin schon immer Standard gewesen. 

Neben den gesetzten Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Schlagkraft kamen mit der Pandemie auch verschiedene Aufgaben auf uns zu, bei denen die Marktgemeinde Zirl und auch das Land Tirol unterstützt wurde. Wie zu Letzt bei der Aktion „Tirol testet“. Hier wurden an allen drei Tagen Ordnerdienste durch die Feuerwehr gestellt. Des Weiteren wurden die Testkit‘s von der Standschützenkaserne geholt. Vor dieser Aktion wurden schon Transporte von Schutzmaterial und Schutzmasken für das Land Tirol durchgeführt. 

Für unsere Kameradinnen und Kameraden ist es oft nicht einfach, die Tätigkeit der Feuerwehr auf den Einsatz zu beschränken und auf vieles zu verzichten, was ein Feuerwehrleben ausmacht – Kameradschaft und Gemeinschaft. Nichtsdestotrotz halten wir durch, um unsrem Motto gerecht zu werden „Bereit für Zirl, seit 1876…“ 

Mit ein paar Bildern wollen wir euch noch zeigen, wie die Tätigkeiten der Quartalsüberprüfung der Atemschutzgeräte oder auch die Einsätze bei uns zurzeit aussehen. In diesem Sinne „bleibt´s g´sund“ 

 

Auch unser Kommandant berichtet aus den letzten Monaten mit „Corona“: 

Seit März 2020 begleitet uns „Corona“ auch in der Feuerwehr Zirl.

Die Feuerwehr hilft laut Auftrag aus dem Landesfeuerwehrgesetz bei Bränden, Verkehrsunfällen, Unwettereinsätzen und sonstigen technischen Hilfeleitungen schnell und unbürokratisch, zu jeder Tages- und Nachtzeit, 7 Tage die Woche. Alle Hilfsbedürftigte können so optimal versorgt werden.

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, haben wir viele teure Fahrzeug und Geräte im Feuerwehrhaus, die von unseren Mitgliedern entsprechend beübt werden müssen. Nur so können wir unsere Hilfe für die Betroffenen garantieren.
Seit März ist das Üben aber fast gänzlich untersagt, im Sommer wurden diese Einschränkungen für kurze Zeit gelockert, seit 2 Monaten ist alles wieder eingestellt. Nur die allerwichtigsten Wartungsarbeiten und Instandhaltungen dürfen (und müssen) durchgeführt werden.
Unser Ausbildungsstand ist sehr gut, das hilft uns jetzt auch über diese Zeit. Aber wer nicht übt, verliert die Routine und verlernt auch wieder Fähigkeiten.

Keine Übungen treffen ganz besonders unser 9 jungen motivierten Mitglieder aus der Jugend und 2 Quereinsteiger, die im Frühjahr 2020 ihre Grundausbildung abschließen hätten sollen. Bis heute ist es uns nicht möglich gewesen, dies zu machen.
Ich hoffe für uns als Feuerwehr, dass die Motivation bei den Jungen erhalten bleibt und sie weiter bei uns mittun. Genau diese Jungen sind nämlich die ZUKUNFT der Freiwilligen Feuerwehr Zirl!

Ein ganz besonders auffallender Punkt sind die Einsatzzahlen. Sie sind auf ca. die Hälfte zurückgegangen.
Gründe dafür sind aus meiner Sicht:

  • die eingeschränkte Mobilität, daher auch viele weniger Verkehr und Unfälle
  • alle Leute sind viel mehr daheim, daher können viel weniger Brände entstehen bzw. werden früher erkannt und selbst gelöscht

Für die Bevölkerung ist dies eine erfreuliche Entwicklung, für uns natürlich auch, nur die Einsatzroutine bleibt ein wenig auf der Strecke.

Als Kommandant bin ich für alles in der Feuerwehr verantwortlich. Fehlen jetzt die Einsätze und die Übungen ist die Wahrscheinlichkeit, dass uns etwas passiert, um vieles höher. Sachschäden lassen sich wieder richten, bei Personenschäden ist es viel schwieriger, auch wenn es nur ein Bänderriss im Knöchel ist.

In viele Gesprächen mit unseren Mitgliedern ist die größte Einschränkung die fehlende Kameradschaft:

  • keine Nachbesprechungen bei Einsätzen
  • kein persönlicher Austausch bei und nach Übungen
  • keine kameradschaftlichen Unternehmungen (Ausflug, Weihnachtsfeier, …)

Die Herausforderung, die Feuerwehr als Gemeinschaft ohne kameradschaftlichen Treffen zusammenzuhalten, wird 2021 ganz besonders mich, das Kommando und alle Mitglieder beschäftigen. Jeder einzelne muss mit vollem Einsatz mithelfen!

Nur so kann es uns gelingen, als Freiwillige Feuerwehr Zirl in unserem 145-igstem Bestandsjahr zu bestehen und für die Zukunft für das Wohl der Bevölkerung gerüstet zu sein.

Gut heil!

Arnold Lanziner
Kommandant